Ratgeber · Flotte & Schiffe
AIDA und Mein Schiff bauen beide bei Fincantieri und landen bei fast derselben Größe
Zwei Reedereien, zwei Pressemeldungen, dieselbe italienische Werft, fast derselbe Zeitraum, fast dieselbe Schiffsgröße. Zufall? Wir haben nachgerechnet.
Manchmal reicht ein Blick in zwei Pressemitteilungen, um ein Muster zu erkennen, das so in keiner davon steht. AIDA hat im April 2025 zwei Neubauten bei Fincantieri bestellt. Mein Schiff hat im September 2025 nachgezogen, ebenfalls mit zwei Neubauten, ebenfalls bei Fincantieri. Beide Male italienisch, beide Male mit Lieferzeiten zwischen 2030 und 2032. Bei so viel Übereinstimmung stellt sich die Frage, ob sich die Reedereichefs beim Kaffee auf der Seatrade Cruise Global gegenseitig über die Schulter geschaut haben.
Wir haben die technischen Daten beider Bestellungen nebeneinandergelegt. Das Ergebnis ist tatsächlich bemerkenswert, nicht weil beide dieselbe Werft gewählt haben (das ist in der Kreuzfahrtbranche eher die Regel als die Ausnahme, Fincantieri baut praktisch für jeden), sondern weil beide Reedereien unabhängig voneinander bei fast derselben Schiffsgröße gelandet sind.
Die AIDA-Neubauten und ihre "völlig neue Schiffsklasse"
Auf der Seatrade Cruise Global in Miami verkündete AIDA-Chef Felix Eichhorn im April 2025 zwei Schiffsneubauten. Zu den Kosten macht AIDA offiziell keine Angaben. Die Eckdaten sind etwa 2.100 Gästekabinen und bis zu 4.200 Passagiere in Doppelbelegung. Eichhorn spricht selbst von einer "völlig neuen Schiffsklasse", die sich von der Größe her zwischen AIDAprima und AIDAcosma einreiht.
Zur Einordnung: AIDAprima und AIDAperla (Hyperion-Klasse) fassen je nach Zählweise 3.300 bis 4.350 Gäste, AIDAnova und AIDAcosma (Helios-Klasse) kommen auf 5.200 bis 6.600. Die neuen Schiffe landen mit 4.200 also spürbar näher an der kleineren Hyperion-Klasse als an den XXL-Schwestern Nova und Cosma. Geliefert werden sollen sie im Frühjahr 2030 und im Winter 2031/2032, gebaut bei Fincantieri in Italien, erstmals nicht bei der bisherigen Stamm-Werft Meyer.
Namen, Deckpläne oder ein Blick ins Innere gibt es bislang nicht. AIDA kündigte bei der Bestellung selbst an, "weitere Details in den nächsten Monaten" bekanntzugeben. Seitdem herrscht Funkstille zu den Specs. Wir aktualisieren, sobald sich das ändert.
Die Mein-Schiff-Neubauten sind zwei weitere InTUItion-Schwestern
Mein Schiff geht einen anderen Weg als AIDA: keine neue Klasse, sondern schlicht zwei weitere Exemplare einer bereits bewährten. Ende September 2025 bestellte TUI Cruises bei Fincantieri zwei zusätzliche Schwesterschiffe der InTUItion-Klasse, also baugleich mit der bereits fahrenden Mein Schiff Relax und der 2026 in Dienst gestellten Mein Schiff Flow. Auftragswert laut Fincantieri: über 2 Milliarden Euro. Lieferung: 2031 und 2032.
Die InTUItion-Klasse kommt auf rund 160.000 BRZ und knapp 4.000 Gäste in Doppelbelegung, deutlich größer als die bisherige Mein-Schiff-3-bis-6-Generation (ca. 99.000 BRZ, rund 2.500 Gäste), aber ohne den Sprung in die absolute XXL-Liga, den AIDA mit der Helios-Klasse gemacht hat. Ob die beiden neuen Schwesterschiffe 1:1 baugleich werden oder noch kleinere Design-Anpassungen bekommen (Gästefeedback von Relax und Flow einfließen lassen, wie es bei Schwesterschiffen oft passiert), ist noch offen.
Werden die AIDA- und Mein-Schiff-Neubauten also baugleich?
Kurze Antwort: Nein, und das hat einen handfesten Konzern-Grund. Branchenexperten zufolge dient für AIDAs neue Klasse nicht Mein Schiff als Vorbild, sondern die Sphere-Klasse der Schwestermarke Princess Cruises. Beide gehören zur Carnival Corporation und teilen sich also dieselbe technische Plattform, um beim Bau Synergien zu nutzen. Mein Schiffs InTUItion-Klasse wiederum ist ein komplett eigenständiges Design des TUI-/Royal-Caribbean-Joint-Ventures, ohne Bezug zu AIDA oder Carnival. Die beiden neuen Schiffsklassen haben also zufällig eine ähnliche Größe und dieselbe Werft-Adresse, aber ihre Baupläne kommen aus zwei völlig getrennten Konzernwelten. Wie die Sphere-Klasse aussieht, auf der AIDAs Neubauten technisch aufbauen sollen, zeigt Princess Cruises selbst auf der eigenen Highlights-Seite.
Bleibt nur zu hoffen, dass sich bei Fincantieri niemand bei der Bemalung vertut. Ein AIDA-Kussmund auf einem Mein-Schiff-Rumpf wäre dann doch ein Anruf beim Vorarbeiter wert. Und falls beide Neubauten zufällig am selben Tag fertig werden. Das Werfttor in Monfalcone dürfte breit genug sein, dass Carnival und TUI/Royal Caribbean nicht aufeinander warten müssen, um gleichzeitig auszulaufen.
Die Zahlen im direkten Vergleich
Alle Angaben in Doppelbelegung, gerundet, die Tabelle lässt sich horizontal scrollen.
| Klasse | Schiffe | BRZ | Gäste | Baujahr |
|---|---|---|---|---|
| AIDA Sphinx | diva, bella, luna, blu, sol, mar, stella | ~69.000 | ~2.050 | 2007–2013 |
| Mein Schiff 3–6 | Mein Schiff 3, 4, 5, 6 | ~99.000 | ~2.500 | 2014–2017 |
| AIDA Hyperion | prima, perla | ~125.600 | ~3.300–4.350 | 2016–2017 |
| Mein Schiff 1/2/7 | Mein Schiff 1, 2, 7 | — | ~2.894 | 2018–2024 |
| Mein Schiff InTUItion | Relax, Flow (+ 2 im Bau) | ~160.000 | ~4.000 | 2025–2032 |
| AIDA neue Klasse | noch unbenannt (2 Schiffe) | — | ~4.200 | 2030–2032 |
| AIDA Helios | nova, cosma | ~183.900 | ~5.200–6.600 | 2018–2022 |
BRZ-Angabe zur neuen AIDA-Klasse fehlt, weil AIDA sie bislang nicht veröffentlicht hat. Alle übrigen Werte aus Werft- und Reedereiangaben, Stand Juli 2026.
Zufall, Branchentrend oder beide schauen aufs selbe Excel-Sheet?
Ganz ehrlich: Wahrscheinlich ist es einfach derselbe Trend, unabhängig voneinander erkannt. Beide Reedereien haben in den letzten zehn Jahren bereits einen Riesensprung gemacht, AIDA mit der Helios-Klasse und Mein Schiff mit der InTUItion-Klasse. Beide XXL-Klassen bringen enorme Kapazität, aber eben auch alles, was viele Kreuzfahrer an Riesenschiffen nicht mögen: mehr Menschen an Deck, längere Wartezeiten, weniger das Gefühl, an Bord aufzufallen. Eine Schiffsgröße "eine Nummer kleiner als das große Flaggschiff, aber spürbar größer als die Mittelklasse" trifft offenbar bei beiden Reedereien einen Nerv, den man bei der jeweils eigenen Kundschaft erkannt hat.
Amüsant ist trotzdem, wie parallel die beiden Wege verlaufen, mit gleicher Werft, überlappenden Lieferzeiträumen und fast identischer Passagierzahl. Wer als Konkurrenzanalyse-Abteilung bei der einen Reederei arbeitet und bei der anderen mitliest, dürfte sich zumindest kurz bestätigt gefühlt haben.
Für euch als Kreuzfahrer heißt das vor allem: Die Wahl zwischen "AIDA oder Mein Schiff" wird sich in den 2030er-Jahren nicht mehr über die Schiffsgröße entscheiden lassen, wenn beide diese mittelgroße Klasse anbieten. Der Unterschied bleibt dann das, was ihn schon heute ausmacht, nämlich Konzept, Bordsprache, Zielgruppe und Trubel gegen Ruhe. Nicht die Zahl auf dem Datenblatt.
Häufige Fragen
Wie groß werden die neuen AIDA-Schiffe?
Rund 2.100 Kabinen, bis zu 4.200 Gäste in Doppelbelegung, zwischen der Hyperion- und der Helios-Klasse.
Wie groß werden die neuen Mein-Schiff-Neubauten?
Zwei weitere InTUItion-Schwesterschiffe, rund 160.000 BRZ, ca. 4.000 Gäste, größer als Mein Schiff 3–6, kleiner als AIDAs Helios-Klasse.
Werden die AIDA- und Mein-Schiff-Neubauten baugleich?
Nein. AIDAs neue Klasse basiert auf der Sphere-Klasse der Carnival-Schwestermarke Princess Cruises, Mein Schiffs InTUItion-Klasse ist ein eigenständiges TUI-/Royal-Caribbean-Design. Nur die Werft und die Größenordnung sind zufällig ähnlich.
Wann kommen die neuen Schiffe?
AIDA: Frühjahr 2030 und Winter 2031/2032. Mein Schiff: 2031 und 2032. Die Zeiträume überschneiden sich fast komplett.
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Nordeuropa im Sommer, Karibik im Winter.
Alle Angaben nach bestem Wissen recherchiert (Stand: Juli 2026), technische Daten und Lieferzeiten können sich noch ändern. Bitte im Zweifel direkt bei der Reederei gegenchecken. Kojen-Kompass ist ein unabhängiges Vergleichs-Tool und kein offizieller Bestandteil einer der beiden Reedereien.